
Schon in ihrer Schulzeit interessierte sich Maria Montessori für Naturwissenschaften und besuchte eine technische Oberschule. 1890 schrieb sie sich für Medizin an der Universität in Rom ein, was für Frauen in Italien erst seit 1875 möglich war.
In
den letzten beiden Studienjahren spezialisierte sie sich auf Kinderheilkunde
und setzte diese Tätigkeit als Assistenzärztin in der Abteilung für
Kinderpsychiatrie der römischen Universitätskinderklinik fort. Ihr besonderes
Interesse galt den dort nur notdürftig versorgten geistig behinderten Kindern.
Sie war von dem würdelosen und verwahrlosten Zustand, in dem diese Kinder
lebten, tief bewegt und bemühte sich um Abhilfe.

Montessori war davon überzeugt, dass die Behandlung der "Schwachsinnigen" kein medizinisches, sondern ein pädagogisches Problem ist. Sie forderte daher die Einrichtung spezieller Schulen für die betroffenen Kinder. Bis 1907 entwickelte sie ihre anthropologisch-biologische Theorie und beschäftigte sich mit den neuropsychiatrischen Grundlagen, auf denen ihre Pädagogik und ihre praktischen Experimente in den Kinderhäusern beruhen.
Scuola magistrale ortofrenica (Heilpädagogisches Institut)
Aus einem Kurs über die Erziehung geistig behinderter Kinder ging die "Scuola magistrale ortofrenica" ("Heilpädagogisches Institut") hervor, die sie als Direktorin zwei Jahre leitete. In dieser Zeit entwickelte sie spezielle didaktische Materialien zum Sprachunterricht und zur Mathematik.
Casa dei Bambini (Kinderhaus)
Am 6. Januar 1907 eröffnete sie eine Tagesstätte für Kinder aus sozial schwachen Familien, die so genannte Casa dei Bambini (Kinderhaus). Ein Schlüsselerlebnis aus dieser Zeit war ihre Beobachtung eines dreijährigen Mädchens, das – völlig selbstversunken in seine Beschäftigung mit Einsatzzylinderblöcken – sich auch durch massivste Ablenkungen nicht stören ließ. Der Ausdruck konzentrierter Aufmerksamkeit, den Montessori an diesem Kind beobachten konnte, bezeichnete sie später als "Polarisation der Aufmerksamkeit", deren experimenteller Erforschung sie einen Großteil ihrer weiteren Arbeit widmete.
Aus den in dieser Zeit gemachten Erfahrungen entwickelte sie die Montessori-Methode zur Erziehung von Kindern, die heute in vielen Teilen der Welt populär geworden ist.

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde sie unter Benito Mussolini exiliert und lebte in Indien, wo sie insbesondere das Prinzip der "Kosmischen Erziehung" und den "Erdkinderplan" entwickelte.
Lebensabend in den Niederlanden
Bis
zum Ende ihres Lebens verbrachte sie ihre Zeit in den Niederlanden, wo sich
heute auch der Hauptsitz der Association Montessori Internationale (AMI)
befindet.
Aktuelles | Archiv |


